Automatik-Chronographen, El Primero, Breitling und Rolex Daytona

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Geschichte des Automatik-Chronographen

Es ist in der Tat höchst erstaunlich, dass mehr als hundert Jahre ins Land gehen mussten, bis der Chronograph durch die Addition eines automatischen Aufzugs zu höchster Vollkommenheit gelangen konnte. Es war ein langer, schwerer Weg zum Ziel.

Der Automatik-Chronograph - noch kein bisschen alt

Blickt man jedoch auf das höchst "verschachtelte" Innenleben eines "Zeitschreibers", wird sehr schnell klar, warum die Kombination mit einem Selbstaufzug zu den letzten großen uhrmacherischen Herausforderungen des Mechanik-Zeitalters gehörte: Infolge des hohen Schwierigkeitsgrades beider Komplikationen birgt die Synthese von Schaltwerk und Automatik zahlreiche Tücken in sich. Mit der Montage einer Aufzugseinheit über dem Chronographen-Mechanismus war und ist es nämlich bei weitem nicht getan. Vielmehr muss die Energie vom Rotor über ein kleines, aber entscheidendes Getriebe zum Federhaus gelangen. Und diesen an sich sehr kurzen Weg versperren zahlreiche Räder, Hebel, Federn sowie sonstige Chronographen-Teile.
Der Chronograph mit automatischem Aufzug verlangt also förmlich nach einer eigenständigen Konstruktion, die mit überlieferten Prinzipien bricht. Und speziell daran mochte sich - aus welchen Gründen auch immer - bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts niemand so recht wagen.
Ein erster, gegen 1947 unternommener Anlauf des renommierten Rohwerke-Fabrikanten Lémania kam, wie man im abgeschiedenen Vallée de Joux retrospektiv eingesteht, über das Stadium eines Prototypen nicht hinaus. Und das, obwohl die Aufzugsautomatik damals bereits zu ihrem ersten Höhenflug ansetzte.
Die Furcht vor einem technischen und wirtschaftlichen Misserfolg bändigte vermutlich das Verlangen, die Uhrenwelt mit einer gewaltigen Innovation zu überraschen. Mit anderen Worten: Die Zeit war schlichtweg noch nicht reif für ein derart gewagtes uhrmacherisches Abenteuer. Vielmehr mussten noch zwei Jahrzehnte verstreichen, bis sich der Automatik-Chronograph seiner technischen Vollendung näherte. Und zwar, wie sich nach den Einführungen herausstellen sollte, nahezu zeitgleich in der Schweiz und in Japan. Von den 1969 vorgestellten Kalibern hat allerdings nur eines überlebt, und dieses auch nur dank der liebenswürdigen Unbeugsamkeit eines beherzten Uhrmachers. Doch davon später.

Unterschiedliche Wege zum Ziel

Die Allianz Breitling, Heuer, Büren, Dubois-Depraz

Die Unsicherheit über die Zukunft des internationalen Uhrenmarkts war in den fünfziger Jahren nur schwer zu übersehen. Zum Beispiel verloren die gewinnversprechenden Chronographen stark an Popularität, was viele Uhrenhersteller, darunter Breitling, Heuer oder Leonidas mehr als deutlich zu spüren bekamen. Der Kampf ums Überleben und der Wiederaufbau hielt viele Menschen in Atem. Der individuelle Konsum und die gestoppte Zeit waren da eher zweitrangig.
Um die schleppenden Verkäufe wieder anzukurbeln, etablierte sich das sogenannte Chronographen-Komitee. Freilich mussten die Mitglieder irgendwann resigniert feststellen, dass dieses hehre Ziel mit konventionellen Modellen und Methoden kaum zu erreichen war. Der Schlüssel zum Erfolg hieß Innovation. Und Innovation lautete bei Chronographen schlicht und einfach Automatik. Der Not gehorchend, setzten sich Jack W. Heuer und sein Erz-Konkurrent Willy Breitling in den frühen sechziger Jahren an einen Tisch. Dort gab ein Wort das andere, Ideen blitzten durch den Raum, Erfahrungen fanden ihren Austausch, kein Aspekt wurde außer acht gelassen.
Am Ende stand der Konsens. Zusammen mit Hans Kocher, dem technischen Direktor der Büren Watch S.A., Büren an der Aare, und Verantwortlichen der Dubois-Dépraz S.A., Le Lieu im Vallée de Joux, sollte das große Abenteuer in Angriff genommen werden. Auf Büren fiel die Wahl zum Einen wegen der geradezu prädestinierten Mikrorotor-Kaliber. Zum Anderen konkurrierte die Marke nicht mit Breitling und Heuer. Dubois-Dépraz hatte sich durch seine langjährige Kompetenz für komplexe Schaltwerke qualifiziert.
Natürlich war größte Verschwiegenheit angesagt, als sich die Delegationen der genannten vier Firmen ab 1965 regelmäßig trafen. Zunächst einmal galt es, das gemeinsame Projekt, intern "99" genannt, per Vertrag zu besiegeln. Die anschließende Aufgabenverteilung bereitete keine große Mühe: Büren erhielt den dezidierten Auftrag, ein spezielles Automatikwerk zu entwickeln. Dubois-Dépraz musste ein passendes Chronographen-Modul mit Kulissenschaltung, Schwingtrieb, 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler auf die Beine stellen. Breitling und Heuer kümmerten sich um ein marktgerechtes Design, die Zifferblätter, die Gehäuse und alle sonstigen Teile.
Und damit brach in den Werkstätten der Beteiligten emsige Betriebsamkeit aus. Eile war schon deswegen geboten, weil es in der Gerüchteküche heftig brodelte. Zenith arbeite, so war zu hören, ebenfalls intensiv an einem Automatik-Chronographen. Und im Land der aufgehenden Sonne schienen die Uhrengiganten Seiko und Citizen ihre Hände gleichfalls nicht in den Schoß zu legen.
Anfang 1966 gelangte ein weiterer Kompagnon in das hart am Wind segelnde Boot: die amerikanische Hamilton Watch Company, Lancaster, Pennsylvania. Durch den Erwerb der Aktienmehrheit war sie stille, aber dennoch maßgebliche Herrin im Hause Büren geworden. Die "Geheimakte 99" tangierte diese geschäftliche Transaktion jedoch in keiner Weise.
Im Frühjahr 1968 konnten sich verschiedene Team-Mitglieder die ersten Prototypen ans Handgelenk legen. Die anschließenden Trageversuche verliefen positiv. Aufzug und Chronograph der 13 3/4 -linigen / Linien (Durchmesser 31 mm), 7,7 Millimeter hohen Kaliber 11 "Chronomatik" funktionierten einwandfrei. Nun galt es, die Serienreife auf schnellstem Wege herbeizuführen.
Die Zeit eilte immer mehr, weil die Bestellung von Zifferblättern, Gehäusen, Drückern und Aufzugskronen den Kreis der Eingeweihten ständig vergrößert. Die Gefahr eines Geheimnisverrats wuchs von Tag zu Tag. Schon deshalb wollte niemand bis zur Basler Uhrenmesse 1969 warten. Außerdem hätte eine Messepremiere die Breitenwirkung gewaltig reduziert. und so schlug die Stunde Null am 3. März 1969 in Genf und New York. Zeitgleich waren Journalisten entweder ins Genfer Hotel Intercontinental oder in den mondänen "Copter Club" des New Yorker Pan Am Buildings geladen. Weil das bewegende Ereignis ganz bewusst unter dem Patronat der Fédération Horlogère Suisse (FH) stattfand, trat deren Präsident, Minister Gérard F. Bauer, in Genf mit einer Ansprache vor die versammelte Presse. "Diese Neuheit", betonte er dabei, "belegt zum Zeitpunkt einer immer schärferen ausländischen Konkurrenz die Entschlossenheit und Fähigkeit der Industriellen, konkurrenz- und wettbewerbsfähig zu bleiben - und zwar im aktivsten, offensivsten und aggressivsten Sinne dieser Begriffe. Außerdem", so Bauer weiter, "ist der Beweis erbracht, dass drei Uhrenfirmen ohne Verzicht auf ihre Persönlichkeit gemeinsam eine technische Leistung erbringen können, zu der jede alleine nicht imstande gewesen wäre." Immerhin hatte das gewagte Projekt die für damalige Verhältnisse gigantische Summe von 500.000 Schweizer Franken verschlungen. Nun waren alle Blicke gespannt auf Basel und die Resonanz der potentiellen Kunden gerichtet.
Nach einer vierjährigen Epoche des Miteinanders mussten die Partner nun getrennt ins Rennen um die Käufergunst gehen. Heuer beispielsweise trat mit drei formal sehr unterschiedlichen Modellen an: Autavia, Carrera und Monaco. Breitling reüssierte unter anderem mit dem Chronomat.
Die Ära des weltweit ersten und einzigen Modul-Chronographen mit automatischem Aufzug durch einen Mikrorotor währte übrigens exakt ein Jahrzehnt. Ihr Ende ging weit lautloser und weniger spektakulär über die Bühne als der Beginn. Im Januar 1979 beschlossen alle Partnerfirmen schweren Herzens, die Produktion der Kaliber unwiderruflich einzustellen. In der Zeitmessung hatte die Elektronik das mehr als 600 Jahre währende Mechanik-Zeitalter abgelöst. Gegen die Präzision und die Kostenvorteile lautlos schwingender Quarze konnten die tickenden Uhrwerke damals nur noch wenig ausrichten. Was blieb, waren die Erinnerung an eine überaus spannende Epoche und der schwache Trost, dass das Kaliber 11 sowie die modifizierten Versionen 12 (Schlagzahl 21.600, ab 1970), 14 und 15 (kleine Sekunde statt Stundenzähler) irgendwann zu Sammlerstücken avancieren würden.

Skizze des Aufbaus des Basiswerks im "Chronomat" von Breitling
aus den Kindertagen des Automatik-Chronographen:

Basis-Uhrwerk vom Chronomat von Breitling

Aufsatz des Chronographen-Mechanismus
auf das Basiswerk im Breitling "Chronomat":

Chronographen-Aufsatz vom Basis-Uhrwerk vom Breitling Chronomat

Breitling hat den Automatik-Chronographen in den Folgejahren
soweit miniaturisiert, dass in den Modellen "Chrono Cockpit" eines
der kleinsten Chronograpen-Werke der Welt zum Einsatz kommt:

Automatik-Chronograph Chrono-Cockpit von Breitling

Der Erste wird der Letzte sein

Die Zweite Konkurrenz Zenith mit dem El Primero Werk

Im Jahr 1965, als das beschriebene "Projekt 99" seinen Anfang nahm, erhielt auch in Le Locle ein Team qualifizierter Uhrmacher, Techniker und Ingenieure den herausfordernden Job, das weltweit erste Serienuhrwerk mit automatischem Aufzug und Chronograph zu konstruieren. Sie standen in den Diensten der traditionsreichen Uhrenmanufaktur Zenith. Erfahrungen in der Entwicklung, Optimierung und Fertigung von Handaufzugs-Chronographen hatte die Mannschaft zunächst bei der Martel Watch Co., Les-Ponts-de-Martel, gesammelt. Seit 1960, dem Jahr der Firmenübernahme, standen sie in den Diensten des neuen Besitzers - und der hieß Zenith.
Somit rauchten auch in diesen Ateliers die Köpfe. Hier galt es, die langjährige Kompetenz bei Handaufzugs-Chronographen optimal für das ehrgeizige Ziel zu nutzen. Im Gegensatz zur Konkurrenz stand dabei von vornherein fest, dass mit überlieferten Grundsätzen auf keinen Fall gebrochen werden sollte. Der Automatik-Chronograph aus den Höhen des Jura würde integriert aufgebaut sein und zudem ein klassisches, wenn auch vergleichsweise teures Schaltrad zur Steuerung der Start-, Stopp-, und Nullstellfunktion besitzen. Außerdem bestanden die Zenith-Verantwortlichen - nicht zuletzt auch aus patentrechtlichen Gründen - auf einem zentral angeordneten, über dem ganzen Werk drehenden Rotor. Nur diese Bauweise gestattete ihrer Meinung nach bezüglich Höhe und Durchmesser vernünftige Ausmaße.
Sie sollten recht behalten: Als "El Primero", "der Erste", der Fachpresse im Frühjahr 1969, kurz vor Breitling, Heuer & Co., präsentiert wurde, vermeldeten die überreichten Dokumentationen gleich mehrere Superlative: Mit einem Durchmesser von 13 Linien (29,33 mm) und einer Höhe von nur 6,5 Millimetern unterbot der Newcomer das Konkurrenz-Kaliber in beiden Dimensionen um mehr als einen Millimeter.
Zur Realisation dieser geringen Größe musste Zenith unter anderem eine spezielle Automatik-Brücke entwickeln, die über und neben dem Chronographen-Mechanismus zu befestigen war. Bei der Rotorlagerung griffen die Zenith-Techniker auf das seit 20 Jahren bewährte Kugellager zurück. In Verbindung mit einem durchdachten Wechslersystem (der Rotor spannt die Zugfeder in beide Drehrichtungen) und einem effizienten Reduktionsgetriebe kann bei normalen Tragegewohnheiten im Laufe des Tages, selbst mit eingeschaltetem Chronographen, eine Gangreserve von rund 50 Stunden aufgebaut werden.
Ein besonders leistungsfähiger Aufzug war freilich auch bitter nötig, denn die enorm hohe Unruhfrequenz von 36.000 Halbschwingungen pro Stunde benötigt weit mehr Energie als üblich. Auf der anderen Seite besaß das schnelle Ticken natürlich seinen tiefen Grund: Der Chronographen-Zeiger bewegte sich in exakten Zehntelsekunden-Schritten. Und der Ganggenauigkeit des Uhrwerks war die hohe Schlagzahl überdies sehr dienlich.
Kritiker warfen damals übrigens sofort ein, dass diese konstruktive Eigenheit beinahe zwangsläufig eine starke Abnützung nach sich ziehen würde. Damit hatten sie sogar nicht einmal unrecht. In der Tat bewirkte die Verwendung konventioneller Öle durch die hohen Zentrifugalkräfte am Ankerrad ein vergleichsweise rasches Trockenlaufen.
Doch daran hatten die Zenith-Uhrmacher selbstverständlich auch gedacht. Schon bei der Lancierung ihres "El Primero" benützten sie spezielle Schmiermittel. Seitdem sind die Forschungen natürlich noch viel weiter fortgeschritten. Zur Vermeidung frühzeitiger Verschleißerscheinungen kommt ein Trockenschmiersystem auf Molybdän-Bisulfid-Basis zur Anwendung. Und das reicht nach Auffassung erfahrener Serviceuhrmacher fünf bis sieben Jahre. Spätestens dann sollte jede mechanische Armbanduhr ohnehin das erforderliche Maß an Pflege erhalten.
Doch nochmals zurück in die Jahre 1969 und 1970: Den El-Primero-Reigen eröffneten die Referenzen AH 385 (Edelstahl), GH 383 (Gelbgold) und GH 381 (Gelbgold) mit 30-Minuten-Zähler und 12-Stunden-Zähler sowie einfacher Datumsanzeige (280 Werksteile). Wenig später gesellte sich die Variante "Espada" mit komplettem Kalendarium und Mondphasenanzeige (354 Werksteile) hinzu.
Als sich die " El Primero" und "Espada"-Chonographen nach einigen Anlaufschwierigkeiten anschicken, am Markt richtig Fuß zu fassen, begann die große Quarzwelle über die Schweiz und Europa hinwegzufegen. Die große Uhrenkrise der siebziger Jahre zeichnete sich bereits düster ab und verhinderte letztlich den durchschlagenden Erfolg, den sich Zenith mit seiner technischen Meisterleistung erhofft hatte. Mechanische Armbanduhren-Chronographen wurden immer weniger verlangt, weil es für einen Bruchteil des Geldes digitale Multifunktionsuhren zu kaufen gab.
Mitte der siebziger Jahre traf die Führungsebene deshalb schweren Herzens die Entscheidung, die Produktion der mühsam entwickelten und liebevoll gehätschelten Kaliber 3019 PHC und 3019 PHF einzustellen. Endgültig, für immer, unwiderruflich.

Automatik-Kaliber von Zenith als Kunstwerk. Kurt Schaffo hat diesem
Uhrwerk mit seiner einzigartigen Skelettuhr ein Denkmal gesetzt:

Automatik Kaliber von Zenith als gravierte Skelett-Uhr

El Primero Werk von Zenith:

El Primero Automatik-Chronograph-Werk von Zenith

Renaissance des mechanischen Automatik-Chronographen

Bekanntlich kommt es meistens anders als man denkt. Und diese Spruchweisheit machte auch vor den Türen des Hauses Zenith nicht halt. Sie bewahrheitet sich 1981 in Form des Pierre-Alain Blum, damaliger Inhaber der Uhrenmarke Ebel. Der agile Firmenchef wollte - seiner Zeit beträchtlich voraus - einen attraktiven Chronographen. In dem sollte - ganz gegen den allgemeinen Trend - kein Quarzwerk zu finden sein.
Bei Zenith wurde er fündig. Dank der Unbotmäßigkeit eines Mannes namens Charles Vermot. Dem sympathischen Uhrmacher und seiner unbeugsamen Liebe zur Mechanik war es zu verdanken, dass in Schuhschachteln und sonstigen Behältnissen noch jene Rohwerke ruhten, die bei der Produktionseinstellung keine Abnehmer mehr gefunden hatten. Und das waren eine ganze Menge. Dem unmissverständlichen Auftrag seiner - damals amerikanischen - Chefs, alles zu vernichten, was irgendwie mit Mechanik zu tun hatte, war er nämlich schlichtweg nicht nachgekommen. Trotz eines erheblichen persönlichen Risikos - immerhin drohte nicht weniger als die Entlassung - versteckten er und seine mechanikverliebten Kollegen die Teile und alle Werkzeuge heimlich in den weitläufigen Lagerräumen. Den Uhren unkundigen Chefs fiel das glücklicherweise nicht auf.
Nun, als Ebel anfragte, konnte Charles Vermot gegenüber den neuen Herren (seit 1978 befand sich die Zenith SA wieder in eidgenössischem Besitz) seine Trümpfe voll ausspielen. Nachdem das Management und die Verantwortlichen für die Schlüsselmärkte dem "El Primero" bei Zenith selbst keine nennenswerte Zukunft zubilligten, wurde man relativ schnell handelseinig. Vermot sei Dank bekam Ebel das Kaliber und mit seinem "Beau" ein absolutes Erfolgsmodell. Auch die englische Alfred Dunhill Ltd. profitierte später von der exklusiven Variante mit Vollkalendarium. Inzwischen befindet sich Charles Vermot im wohlverdienten Ruhestand. Doch gerade wegen seiner Unbeugsamkeit ist er bei Zenith weiterhin ein gerngesehener Gast.
Die gegen 1985 einsetzende Renaissance der mechanischen Armbanduhren löste dann auch bei Zenith eine Rückbesinnung auf die El-Primero-Tradition aus. Immerhin hatte sich dieses Kaliber mittlerweile in die Herzen der Chronographen- und Automatik-Sammler katapultiert. Und die erfreuliche Nachfrage nach den Ebel-Modellen konnte man in Le Locle beim besten Willen nicht übersehen. Zudem mehrten sich hartnäckige Anfragen, zum Beispiel aus Italien, wann denn endlich auch bei Zenith mit einer Neuauflage dieses Klassikers zu rechnen sei. Immerhin gab es - mit Ausnahme von Ebel - kaum etwas Vergleichbares am Uhrenmarkt.
Nach reiflicher Überlegung fiel 1986 die einzig richtige Entscheidung "El Primero" endlich wiederzubeleben. Und das weiterhin auf der Basis der nach wie vor reichlich verfügbaren Altbestände. Gesagt, getan. Was nur wenige Insider für möglich gehalten hatten, vollzog sich erstaunlich problemlos: Zenith feierte ein überaus positives Mechanik-Comeback unter eigenem Namen und mit den eigenen, von der "Halde" geholten Chronographen-Kalibern. Der Terminus Manufaktur spielte zu diesem Zeitpunkt nur eine subsidiäre Rolle.
Doch das sollte sich schneller ändern als gedacht. Irgendwann zwischen 1987 und 1988 klopften Vertreter der Biel-Genfer Luxusmarke Rolex in Le Locle an. Bei der qualitäts- und präzisonsbewussten Manufaktur sollte der legendäre "Daytona"-Chronograph zu seinem ursprünglichen Ruhm zurückfinden. Und das natürlich mit einem automatischen Uhrwerk. Doch ein bewährtes Allerwelts-Kaliber vom Schlage des Valjoux 7750 genügte den hohen Rolex-Ansprüchen nicht. Nach zahlreichen Gesprächen und intensiven Erörterungen wurden Zenith und das Haus Rolex, das in Le Locle, nur einen Steinwurf entfernt, einen kleinen Fertigungsbetrieb unterhält, handelseinig.
Im neuen Daytona-Chronographen sollte das Kaliber 3019 PHC ticken. Doch nicht in der Zenith-üblichen Ausführung mit 36.000A/h (Halbschwingungen pro Stunde) und Datumsindikation. Rolex wünschte eine Reduktion der Schlagzahl auf 28.800 Halbschwingungen/Stunde und eine Eliminierung der hilfreichen Anzeige. Außerdem verlangten die Rolex-Techniker eine Ebauche-Qualität, welche diejenige der Lagerbestände erheblich überstieg. Also musste dringend eine Wiederaufnahme der Rohwerke-Fertigung erfolgen. Und da konnte Zenith einmal mehr von der Klugheit des widerspenstigen Charles Vermot profitieren. Sorgfältig verpackt lagerten die kostbaren Werkzeuge zur Produktion der Platinen, Brücken und sonstigen Werksteile in mehreren Kisten. Und darauf konnte man getrost bauen, am Anfang jedenfalls.
Inzwischen weht im Fertigungsprozess der Rohwerke vom Kaliber 400 (ehemals 3019 PHC), 410 (ehedem 3019 PHF) und der neuen Handaufzugsvariante 420 (Modell "Prime") längst ein anderer Wind. Die aktuellen Präzision-, Flexibilitäts- und Stückzahl-Ansprüche verlangen förmlich nach computergesteuerten Fertigungsmethoden. Im Zuge dieses Umdenkens haben auch bei Zenith modernste CNC-Fertigungszentren Einzug gehalten. Sie arbeiten systematisch "Hand in Hand" mit den bewährten Bohrwerken. Allein die Herstellung der "El Primero"- Hauptplatine verlangt rund sechzig unterschiedliche Operationen. Im Verbund zwischen den ganz unterschiedlichen Typen von Produktionsmaschinen und -methoden.
Nur die Montage der Werke und die Einschaltung in die verschiedenartigen Gehäuse erfolgt auch heutzutage weiterhin ganz traditionell von Hand. Und an dieser bewährten Arbeitsteilung dürfte sich auch im laufenden Jahrtausend kaum etwas ändern. Immerhin verkörpert der einstmalig leichtfertig abgeschriebene "Erste" für Zenith inzwischen eine Art Referenzkaliber, das in Sammler- und Kennerkreisen einen vorzüglichen Ruf genießt.

Mit der Entwicklung des Chronographen mit automatischen Antrieb
geben sich die Manufakturen noch lange nicht zufrieden,
wie der "Chrono Master" von Zenith mit Datumsfunktion
und Mondphasenanzeige zeigt:

Chrono-Master Armbanduhr Zenith mit Datum und Mondphase

Im "Rainbow Fly Back" von Zenith wurde das Werk "El Primero"
so verfeinert, dass mit Betätigung des Drückers die Nullstellung
mit gleichzeitigem Start der neuen Zeitmessung erfolgen kann:

Rainbow-Fly-Back Armbanduhr von Zenith

Fernöstlicher Epilog

Die Dritte Konkurrenz - Seiko

Während sich die beiden schweizerischen Konkurrenten im Jahr 1969 mit Verve um die Serienreife ihrer Entwicklungen bemühten, verkaufte die japanische Seiko Corporation bereits die ersten Automatik-Chronographen mit 30-Minuten-Zähler, Tages- und Datumsanzeige. Das 12-linige Kaliber 6139 mit 21 Steinen erlangte im Frühjahr 1969 patentrechtlichen Schutz. Bereits im Mai 1969 wurden die ersten damit ausgestatteten Armbanduhren an die Geschäfte geliefert. Ein Jahr später folgte das gleichfalls 12-linige Kaliber 6138 mit zusätzlichem 12-Stunden-Zähler.
Hintergründiges lässt sich zum Dritten im Bunde leider nicht berichten. Trotz mehrerer Nachfragen und auch anlässlich verschiedener Besuche im Tokioter Seiko-Museum waren nähere Informationen einfach nicht zu bekommen. Auch die deutsche Seiko-Niederlassung zeigte sich völlig bedeckt. Offensichtlich halten es die Japaner hier mit dem Sprichwort:
"Reden ist Silber, Schweigen aber Gold".
Bekannt ist nur, dass Herr Kintaro Hattori 1881 ein Unternehmen in Tokio gründete, welches mit Schweizer Uhren handelte. 1892 entstand daraus die Firma Seikosha Co., die Wanduhren und ab 1895 Taschenuhren fertigte. Ab 1899 wurden auch Wecker und ab 1913 auch Armbanduhren hergestellt. Ab 1937 wurde die Firma in den Markennamen Seiko umbenannt, welcher im Japanischen "Präzision" bedeutet. 1955 stellte Seiko die erste automatische Seiko Armbanduhr vor.
Bereits 3 Jahre später startete die Entwicklung von Quarzuhren. Die erste Quarz-Großuhr wurde 1962 der Öffentlichkeit vorgestellt und kurz danach bereits eine am Armgelenk tragbare Quarz-Armbanduhr. In den letzten 80er Jahren wurde das Automatic Generator System (AGS) vorgestellt, welches auch als Kinetic System bekannt ist und welches einen eingebauten Generator hat, der durch die Armbewegung Strom erzeugt, ähnlich wie bei einer mechanischen Automatik-Uhr. Auf der Skylab 4 Mission von 1973 bis 1974 war der erste Automatik Chronograph im All die Seiko 6139, die der Astronaut William Pogue auf seine Mission mitnahm.

Rekorde von Automatik-Chronographen-Uhrwerken

1996 bringt ETA für den Massenmarkt ein neues Automatik-Chronographenwerk (Kaliber 2894-2) heraus mit einer Höhe von nur 6,1 mm.

Das flachste Automatik-Chronographenwerk kommt von Blancpain mit dem Kaliber F185 und einem Durchmesser von 25,6 mm (11 1/2 Linien) und einer Höhe des Uhrwerkes von nur 5,4 mm sowie einer Gangreserve bis 40 Stunden und 37 Stück Rubine - verwendet zum Beispiel im Chronograph "Air Command" von Blancpain.

Ein großer Teil dieses Artikels mit freundlicher Genehmigung von
Juwelier Blank, Stadtplatz 25, 94474 Vilshofen, http://www.juwelier-blank.de
Autor Gisbert L. Brunner, http://www.uhrenjuwelenschmuck.de

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